

Jede Autorin/jeder Autor hat wohl ihre/seine Lieblingsthemen. Das ist bei mir nicht anders. Da ich die Seele eines Hippies besitze, sind für mich die Themen Freiheit, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Gleichberechtigung und persönliche Entfaltung von zentraler Bedeutung. Das spiegelt sich auch in meinen Büchern wider.
Ich liebe es außerdem, meine Leserinnen und Leser die Perspektive wechseln zu lassen, um eine andere Sichtweise auf die Dinge zu gewinnen, welche dann wiederum ein ganz neues Licht auf die Geschichte wirft. Als Mensch tendiert man dazu, immer nur die eigene Perspektive einzunehmen. Manchmal sind die Dinge aus einem neuen Blickwinkel jedoch gänzlich anders zu bewerten. Damit spiele ich in meinen Erzählungen.

Auch ist die eigene (innere) Wahrheit jedes Einzelnen grundsätzlich eine Sache der Perspektive und der persönlichen "Sensorik". Mit meinem Mann habe ich schon häufiger darüber gesprochen, was genau eigentlich "die Wahrheit" in einer bestimmten Situation ist. Mein Mann findet, es könnten immer ausschließlich Fakten die Wahrheit sein. Ich bin nicht seiner Meinung.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Du fragst eine Freundin, wie es ihr geht. Sie schluckt und antwortet mit einem frustrierten: "Gut, warum fragst du?" Die Fakten (nämlich das, was gesagt wurde) lassen darauf schließen, dass es ihr gut geht. Ihr Tonfall und ihre Körperhaltung zeigen Dir allerdings, dass das absolut nicht der Fall ist. Was ist denn dann in diesem Fall die Wahrheit? – Das explizit Gesagte? – Oder Dein Bauchgefühl, welches Dir verrät, dass absolut nichts in Ordnung ist, sie kurz vor dem Kollaps steht und eine einzige weitere Frage sie dazu bringen wird, die Beherrschung zu verlieren und in Tränen auszubrechen?

Das heißt, jemand, der seine "eigene Wahrheit" ausspricht, kann in den Augen eines anderen ein Lügner sein, während jemand, der nur auf Fakten hört, die inneren Botschaften seiner Gesprächspartner verpasst. Daraus ergeben sich Tausende von Möglichkeiten für klassische Missverständnisse. Und mit solchen spiele ich in meinen Büchern außerordentlich gern. Man kann mit dem Perspektiv-Trick auf eine sehr einfache Weise wirklich ein tolles Drama generieren und Leute dazu bringen, über ihren Tellerrand zu schauen ... Der Antagonist ist nämlich nur in der Erzählung des Helden der Bösewicht. In seiner eigenen Story wäre der Antagonist wiederum der Held. Spannend, oder?
Ich habe ja ein Herz für meine Antagonisten und gebe mir extrem viel Mühe, sie sehr detailliert auszuarbeiten. Und wenn schon "böse", dann bitte entweder richtig böse (wie der Diktator in Dystopia) oder heimlich ganz fluffig-weich mit Plateau-Plüschhausschuhen, rosa Flausch-Bademantel und höllischem Wellness-Schlammpool im Vorgarten (wie Luzi Fer im Schwarzen Engel) 😜 ...






